Konzept

Das ist der neue Weg, den die Erziehung eingeschlagen hat: dem Geist in seinen verschiedenen Entwicklungsvorgängen zu helfen und die verschiedenen Energien und Fähigkeiten zu unterstützen und zu verstärken.

Maria Montessori

Unser Bildungsbegriff

Wenn wir von Bildung sprechen, gehen wir von einem dynamischen und ganzheitlichen Bildungsbegriff aus. Dabei unterscheiden wir Bildung von Ausbildung. Es geht uns um ein reflektiertes Verhältnis zur eigenen Person, zu anderen und zur Welt. Neben dem Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten, beispielsweise berufliche Qualifikationen, betrifft der Bildungsprozess auch die Arbeit an sich selbst. Bildung ist in diesem Sinne eine dreidimensionale und individuelle Angelegenheit: Wissen, Können, Werden.

Wir begreifen Schule als Lebens- und Erfahrungsraum. Dort wollen wir der Lebenskunst des Lernens begegnen. Der Begriff Lebenskunst stammt aus der Philosophie und meint Folgendes: das eigene Leben bewusst und reflektiert führen, sich Wissen zur Erschließung und Gestaltung des Selbst und der Welt aneignen und Fähigkeiten im Umgang mit sich und anderen durch sensible Wahrnehmung entfalten.[1] Lebenskunst setzt bestenfalls der wachsenden Orientierungslosigkeit des heutigen Lebens etwas entgegen. Und zwar, indem sie bei der Frage beginnt: Wie kann Leben unter Bedingungen moderner Freiheit geführt werden?

Wir wünschen uns, dass Kinder so früh wie möglich Erfahrungen mit Freiheit machen dürfen. Mit der eigenen Freiheit und mit der der anderen. Innerhalb der sich immer weiter öffnenden Grenzen lernen sie, Verantwortung für ihren Handlungsraum und ihr Tun zu übernehmen. Statt der reinen Anhäufung fachlichen Wissens[2] wollen wir den Kindern ermöglichen, möglichst viele Handlungen eigenverantwortlich zu planen und umzusetzen. Die eigenständig gewonnenen Einsichten, Arbeitsstrategien, Techniken und Methoden werden durch Gespräche reflektiert. Der individuelle Erfahrungsschatz des Kindes erweitert sich.

Der Bildungs- und Erziehungsauftrag unserer Grundschule umfasst daher im Wesentlichen drei untrennbar miteinander verbundene Aufgaben und Bereiche:

Befähigen zu einem starken, kreativen Individuum …
(Sorgsamkeit für die Selbstbildung, Erlernen von Sensibilität, Heranbildung von Persönlichkeiten – Erwerb von personalen, fachlichen und methodischen Kompetenzen)

… welches sozial und kommunikativ auf andere bezogen ist …
(Achtsamkeit in der Wahrnehmung anderer, Demokratie – Entwicklung von sozialer und kommunikativer Kompetenz)

… und sich die Welt zu eigen macht.
(Einklang mit Natur und Umwelt, Beziehung von Selbst zur Welt, sinnvoll leben lernen – Entwicklung von Handlungs- und Aktivitätskompetenz)

Bildung ist ein Menschenrecht. Deshalb orientieren wir uns am Modell einer inklusiven Schule. Kein Kind soll mehr als „andersartig“ angesehen werden. Wir erkennen an, dass Kinder unterschiedliche Stärken und Schwächen haben und heißen alle in gleicher Weise willkommen.

Unser besonderes pädagogisches Profil:

Im Leben und Lernen unserer Schule spielt die zwischenmenschliche Kommunikation eine grundlegende Rolle. Ohne sie wären erfolgreiche Bildungsprozesse nicht möglich. Wir lernen gemeinsam mit den Kindern eine Art der Kommunikation zu entwickeln, die eine empathische Verbindung zu anderen herstellt; wir lernen, ehrlich zu sein, ohne zu kränken oder zu verletzen.

Als kommunikative Schule wollen wir die Entwicklung von kommunikativen Kompetenzen zur Hauptaufgabe gemeinsamen Handelns machen. Schule als Lernort für die Herausbildung eines demokratisches Verständnisses braucht Mitbestimmungsformen, in denen Unterrichtsziele, Verhaltensregeln, Gestaltung der Projekte, Räume, Feste, Schultage usw. gemeinsam erörtert und vereinbart werden. In Anlehnung an die Didaktik der sozialen Integration[3] nach Peschel wollen wir so Unterricht in Hinblick auf die Erziehung zu basisdemokratischem Handeln öffnen.

Wir erachten die Beziehung zwischen Eltern und Lernbegleiter_innen im Sinne einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft als Bedingung für einen erfolgreichen und zufrieden stellenden Lernprozess. Diese Begriffe betonen unsere gemeinsame Verantwortung für die Erziehung und Bildung unserer Kinder bzw. Schülerinnen und Schüler. Eltern und Pädagog_innen verfolgen gleiche Ziele und kooperieren bei deren Umsetzung. Zwischen den Lernbegleiter_innen und den Eltern besteht eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus zeigt sich in verschiedenen Formen der Mitwirkung und hält dies in einer Art Vertrag – einer Erziehungsvereinbarung – fest.

Offener und angeleiteter Unterricht

Unser Unterricht, vor allem die tägliche Freiarbeit und der Projektunterricht, öffnen sich für die individuellen Besonderheiten und Bedürfnisse der Kinder. Wir wollen weniger einen differenzierten Unterricht als eine Individualisierung von unten erreichen. Das heißt, das Kind steuert sein Lernen selbst und sucht sich seinem Niveau entsprechend Herausforderungen. Die Freiarbeit ist ein entscheidendes Element unseres Konzeptes und Grundlage unseres Schultags. Der Projektunterricht ist in die Freiarbeitsphasen integriert bzw. für den Ateliertag und Kreiszeiten vorgesehen. Er nimmt den Alltag und die Umwelt zum Ausgangspunkt der thematischen Auseinandersetzung, ist vom fächerübergreifenden Denken getragen, bietet Raum für vielseitige Erfahrungen und fördert die Selbstorganisation des Lernprozesses.[4] In der Kreiszeit widmen sich Kinder und Lernbegleiter_innen mehrere Male in der Woche gemeinsam einer Sache. Hier werden Inhalte aus dem Mathematik- und Deutschlehrplan, wie auch Inhalte aus dem Sachunterrichts-, Musik- und Kunstlehrplan zur Bearbeitung vorgegeben.

Eine bewusst hergestellte Heterogenität zwischen den Kindern in einer Jahrgangsmischung (1–3, 4– 6) mehrerer Klassenstufen bietet allen besondere Lernchancen. Die Unterschiedlichkeit der Kinder wirkt sich produktiv auf die kognitive und soziale Entwicklung des Kindes aus.[5]

Leistungsbewertung

Wir wollen eine Lernkultur entwickeln, die ohne Ziffernnoten auskommt. Das tun wir, indem wir den Blick auf das Kind und die Wahrnehmung und Beschreibung seiner Leistungen richten. Das erfordert von uns eine Reihe von Aufgaben:

  • Leistungen der Kinder wahrnehmen, Lernstände feststellen
  • Leistungen der Kinder würdigen, Lernentwicklung dokumentieren und bestätigen
  • Kinder individuell fördern, Lerngespräche mit ihnen und den Eltern führen
  • Lernwege öffnen, gemeinsam über eigene Lernwege nachdenken[6]

Die diagnostische und evaluierende Lernbegleitung erfolgt durch offene Wochenpläne (Logbuch), Eigenproduktionen (Lernbuch), die individuelle Arbeit an Zielen (Wochenziele und Lernberichten), Erörterungen des Lernbegleiters mit dem Kind über den Lernverlauf (Lerngespräche), Einschätzungen des Lernbegleiters oder der Kinder zu einer geleisteten Arbeit (Rückmeldung), mündliche, praktische und schriftliche Lernstandsermittlungen (Lernbeweise und Diplome), schriftliche Reflexion und Evaluierung über das Lernen (Selbsteinschätzungen und Lernbericht/ Studienbuch), Lernstandsanalysen zusammen mit den Eltern (Elterngespräche).

Organisation des Schulalltages

Exemplarischer Wochenüberblick 1–3

Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
7.30 Uhr Frühhort – Ankommen: Offener Anfang
8.00–8.30 Flexibles Ankommen bis 8.15
8.30–10.00

Arbeitsphase

gem. Beginn Freiarbeit Freiarbeit
mit Stillearbeit
Freiarbeit
mit Stillearbeit
Freiarbeit
mit Stillearbeit
Ateliertag
10.00–11.00 Frühstückbüffet & Hof- und Hortpause
11.00–12.15

Arbeitsphase

Freiarbeit  

Freiarbeit

 

Vorlesung
Freiarbeit
Vorlesung
Freiarbeit
Lernbeweise
Ateliertag
12.20–13.40 Uhr Gemeinsames Mittagessen- Pause
13.45–15.00

offene Räume

mit Bewegung, Sport & Spiel

 

mit Bewegung, Sport & Spiel

 

mit Bewegung, Sport & Spiel

 

„FAUSTLOS“ Schönes
15.00–15.15 Vesper & Abholzeit Vesper & Abholzeit Vesper & Abholzeit Vesper & Abholzeit Vesper & Abholzeit
ab 15.15–16.00 „Offene Räume“ – Freies Spiel
ab 16.00 Uhr Späthort

 

An unserer Schule gibt es die Fächer und Lernbereiche, welche sich aus den in der Grundschulverordnung vorgeschriebenen Fächern zusammensetzen.

Diese Fächer und Lernbereiche sind jedoch nicht als starre, unveränderbare voneinander isolierte Disziplinen zu verstehen. Vielmehr wird es regelmäßig und bewusst zu einer Überschneidung verschiedener Fachbereiche kommen, um so den Kindern den Zusammenhang und die Sinnhaftigkeit vieler einzelner Lerninhalte zu vermitteln. Das trägt zu einem ganzheitlichen Verstehen der Welt bei.

Die Hauptformen der Wissensaneignung und -vermittlung werden die Freiarbeit, das Lernen in Projekten und der Werkstattunterricht am Ateliertag sein. Kreisunterricht und Fachunterricht, in denen Grundlagenwissen vermittelt wird, ergänzen diese Lernformen.

[1] Schmid, W.: Mit sich selbst befreundet sein. Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst, 2007, S. 437

[2] Peschel, F.: Offener Unterricht, Teil I, 2006, S. 6

[3] Ebenda, S. 128 ff.

[4] Reichen, J.: Sachunterricht und Sachbegegnung, 2008, S. 89

[5] Ebenda, S. 12

[6] Ebenda, S. 21 und 35